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| Sinfonie 1 / Toteninsel Op. 29 von Sergej Rachmaninoff
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| Rezensionen: | | Wer den russischen Allround-Musiker Mikhail Pletnev schon einmal als Pianist erlebt hat, der wird im Schallplattengeschäft wohl immer zuerst nach CDs suchen, auf denen er Klavier spielt: Sein Können an der Tastatur ist gleichermaßen von Sensibilität, Kraft und überwältigender Virtuosität geprägt; man kann sich der Faszination seiner Darbietung nicht entziehen. Ist es vorstellbar, dass er am Dirigentenpult genauso viel zu sagen hat, zu einer ebenso konzentrierten Interpretationsleistung fähig ist?
Mit der vorliegenden CD schließt Pletnev seine Gesamtaufnahme der drei Symphonien Sergej Rachmaninoffs ab. Neben der ersten Symphonie in D-Moll ist die berühmte, 1909 entstandene Tondichtung "Die Toteninsel" enthalten, zu der Rachmaninoff durch das bekannte Gemälde Arnold Böcklins inspiriert wurde. Pletnev und das von ihm gegründete "Russische Nationalorchester" gestalten das düstere, im unruhigen 5/4-Takt stehende Stück zu einem beeindruckenden Erlebnis orchestraler Farbigkeit und Klanggewalt. Mit höchster Souveränität arbeitet Pletnev die vielschichtigen, vom gregorianischen "Dies-irae"-Motiv durchzogenen Schichten der Partitur heraus: Groß angelegte Steigerungen über lange Strecken entladen sich kurz vor dem Schluss des Werks schließlich in finsteren Forteschlägen des Orchestertutti, ehe eine beklemmende Ostinato-Figur das Motiv der Totenmesse wieder aufnimmt. Gleichermaßen überzeugend gelingt der schmerzvoll-leidenschaftliche Mittelteil, in welchem eine Passage aus dem ersten Satz des im selben Jahr entstanden dritten Klavierkonzerts anzuklingen scheint.
Mit gleicher Perfektion bemüht sich Pletnev um die erste Symphonie in D-Moll, deren katastrophales Durchfallen der erst 24-jährige Rachmaninoff 1897 erleben musste. Die daraufhin vom Komponisten vernichtete Partitur konnte 1945, zwei Jahre nach dem Tod Rachmaninoffs, aus wieder aufgefundenen Orchesterstimmen rekonstruiert werden. Besonders Kenner und Liebhaber der Klavierkonzerte werden zunächst Schwierigkeiten mit dem passagenweise recht spröden Stück haben. Auch hier taucht schon das "Dies-irae"-Motiv auf, und möglicherweise entstand das Werk unter dem Eindruck der unglücklichen Liebe zu einer verheirateten Frau, die die Widmungsträgerin der Symphonie ist. Darin könnte ein Grund für die Zerrissenheit des Werks liegen, die dem Hörer etwas Geduld abfordert. Wertvolle Hilfestellung beim Kennen- und Liebenlernen des frühen Opus leistet allerdings die engagierte Interpretation durch Pletnev und sein hochqualifiziertes Ensemble.--Michael Wersin
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